FAQ: Warum nicht gleich in HongKong oder China kaufen?
In vielen Foren wird dieses Thema in letzter Zeit heiß diskutiert und einige Kunden konfrontieren uns mit, auf den ersten Blick, “super Angeboten”, direkt aus HongKong oder dem Mainland China. Da ich gerade auf der letzten Messe das Muster eines 6S Ladegerätes bestellt habe, bei einem Lieferanten, den ich noch überhaupt nicht kenne, bietet es sich gerade zu an, die Preisfindung zu erläutern. Ich garantiere die Richtigkeit der Angaben. So wie ich das Gerät aus China kommen lasse, kann das theoretisch jeder auch selbst machen. Die Kosten, die so entstehen, sind 1:1 die Kosten eines Internetkaufs direkt in Hongkong oder über eine Auktionsplattform oder ähnliche Anbieter. Für uns als gewerblicher Importeur kommen noch einige extra Kosten dazu, die sich private Käufer wirklich sparen, wie z.B. WEEE und Kosten für die Entsorgung (Grüner Punkt).
Produkt: B6 Ladegerät ohne 220V Anschluss
Preis: 25,00USD
Paypal Gebühren: 5USD (auch wenn es offiziell verboten ist, die HongKong-Trader berechnen meist die Verkäufer-Gebühren an den Käufer weiter)
Frachtkosten mit EMS: 23USD
Rechnungspreis: 53USD
Umrechnungspreis: 1,30 USD/Euro, dieser Wert wird von Paypal angegeben, der Bankkurs war an diesem Tag 1,34 USD/Euro, da verdient Paypal noch ein mal extra.
Also bezahlt 40,68 Euro. Damit sind wir ja aber noch nicht am Ende.
Jetzt kommt die Verzollung. Für dieses Produkt wird netterweise kein Zoll erhoben (Tarifnummer 85044055): Jedoch muss noch die Einfuhrumsatzsteuer entrichtet werden, das sind 19% auf den Warenwert zuzüglich Frachtkosten und Zoll. In unserem Fall ergibt sich so ein Preis von 48,41 Euro (7,73 Euro Steuer).
Zum Vergleich: Ein B6 Ladegerät, wie das BC-906, kostet bei uns aktuell 44,90 Euro inkl. MwSt. (zzgl. Versandkosten)
Wer sich nun fragt, wie wir dann das Gerät günstiger verkaufen können als 48,41 Euro: Wir kaufen 500 Stück und lassen das ganze mit dem Schiff kommen.
Am Ende gibt es also praktisch keinen Grund in Hongkong zu bestellen, außer man liebt das Risiko und den Nervenkitzel, ob das Produkt denn auch ankommt und funktioniert.
Diese Rechnung kann so auch für Akkus (Zoll 2,7%) und anderes Zubehör wie z.B. Alu-Tuning (Zoll 5,7%) verwendet werden.
Wer mir erzählt, er bekäme “das Ladegerät für 25USD, das sind ja nur 18,50 Euro“, sollte noch einmal nachrechnen. Die Lieferzeit mit EMS aus China beträgt übrigens zwischen zwei und drei Wochen. In diesem konkreten Fall waren es, zugegeben ungewöhnliche, sechs Wochen.
Für die 44,95 Euro, die das BC-906 in Deutschland kostet, bekommt man obendrein noch eine deutsche Anleitung, 24 Monate Gewährleistung und spart sich eine Menge Lauferei, denn als Privatperson muss man die Verzollung selber “vor Ort”, also beim Zoll selbst, abwickeln und Bar bezahlen.
HINWEIS: Wer Ware am Zoll vorbei importiert oder falsche Angaben macht, begeht gleich mehrere Straftaten auf einmal, das kann doppelt teuer werden. (Wer erwischt wird, ist vorbestraft!)
Aus einem Forum zu diesem Thema: “Ob [..] Zoll anfällt, mußt du beim Zoll erfragen bzw. kannst das evtl. in deren Listen auch im Netz nachsehen. Dann ggfls. Anfahrt und Wartezeit beim zuständigen Zollamt. Der Zoll wundert sich schon lange nicht mehr, warum die Deutschen plötzlich so viele Geschenke aus China und den USA bekommen sondern schaut einfach nach was drin ist, oder zitiert dich ins Amt und lässt dich unter Aufsicht nachschauen. Außerdem verlangen sie einen Kaufbeleg. Keine Ahnung was man denen nachweisen muss, wenn es sich tatsächlich um ein Geschenk handelt. Dass eine Sendung einfach so durch rutscht ist bei mir schon länger nicht mehr vorgekommen. Dafür wartet man dann jetzt schon mal drei Wochen, weil die Sendung zwar längst hier ist, aber beim Zoll auf Bearbeitung wartet. Du kannst jetzt leicht selbst ausrechnen wie teuer die [...] sein muss, damit die Ersparnis ins Gewicht fällt.”

Kommentare, Pingbacks und Trackbacks
David Blume
26. Januar 2011 um 13:14 Uhr | PermalinkIch kann dem nur Zustimmen! Ich importiere selbst viele Artikel aus USA/China/Korea/Japan (für asiatische Fahrzeuge) und kann bestätigen, dass zwar auf dem ersten blick die Teile günstig erscheinen aber man das gründlich durchrechnen sollte. Zollgebühren, Mehrwert/Umsatzsteuer, Transportkosten, Kosten für Abholung beim Zoll etc. kommen noch drauf und machen die Ersparnis schnell zunichte. Dazu kommen noch Sachen wie eventuelle Transportschäden, fehlene/unzureichende Gewährleistungsansprüche. Unterm Strich kann man dann auch hier einkaufen, sofern man die Sachen hier bekommt. Das ist eben der Grund warum ich des öfteren im Ausland bestellen muss, da es hier keinen Markt dafür gibt.
Wenn man dann nochmal schaut was andere Hersteller für so ein Ladegerät verlangen, dann ist man hier sehr gut bediehnt!
PS: im übrigen wurden bei meinen Sendungen noch jedes Paket vom Zoll geprüft (kleiner grüner Aufkleber auf dem Paket). Erst recht, wenn wieder mal “gift” angekreuzt wurde! Wer behauptet sein Paket sei am Zoll vorbei gekommen, der lügt. Wenn das Paket bei einem zu Haus ankommt, wurde trotzdem beim Import das Paket zumindest auf Herkunft und Inhalt (Zollerklärung auf Paket) geprüft. Ob es geöffnet wird obliegt dem Zollbeamten.
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